PROJEKT DES MONATS - JANUAR 2012

„Wann werden wir jemals frei sein?“

Ein außergewöhnlicher Schüleraustausch zwischen Köln und Bethlehem

<p>Auf dem Schulhof der Dar Al-kalima Schule</p>
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Auf dem Schulhof der Dar Al-kalima Schule

 

 

Im Jahr 1999 – ein Jahr vor der zweiten Intifada* – unterzeichneten die Gemeinschaftsgrundschule Irisweg in Köln-Zündorf und die Evangelisch-Lutherische Schule in Bethlehem offiziell mit Vertretern beider Städte im Internationalen Begegnungscenter in Bethlehem einen Partnerschaftsvertrag. Dies war der erste offizielle Partnerschaftsvertrag zwischen einer deutschen und einer palästinensischen Schule.

 

Der Euphorie des Anfangs auf Frieden, Begegnung und Austausch folgten die bitteren Erfahrungen des Alltags in Palästina. Ein erster kleiner Austausch im Jahr 2000 - zwei Kinder der Kölner Schule waren mit ihren Eltern nach Bethlehem gereist - kam wegen der Unruhen zu Beginn der zweiten Intifada nicht zustande. Krieg, Besatzung, Ausreiseverbot, Selbstmordattentate erschwerten Kontakte und Begegnungen, welche aber dennoch im Laufe der Jahre ermöglicht werden konnten. Nur zu einem Schüleraustausch kam es wegen der schwierigen politischen Situation nicht.

*Intifada (aus dem Arabischen intafada = sich erheben, abschütteln) = palästinensische Aufstände gegen Isarael

Besuch aus Bethlehem
Im Dezember 2010 konnte die Grundschule Irisweg dann zum ersten Mal 11-13jährige Schülerinnen und Schüler der Dar Al-Kalima School, so hieß die Partnerschule nun, aufnehmen. Eine Woche lang waren die Kinder aus Bethlehem in Gastfamilien untergebracht und nahmen am Unterricht und einem tollen Freizeitprogramm in Köln teil. Das bedeutete für die palästinensischen Kinder zum ersten Mal fliegen, Straßenbahn fahren, Schnee anfassen … frei sein. Das schönste Feedback war die Aussage der palästinensischen Kinder: Die Menschen sind alle so nett zu uns.

Zu Gast in Bethlehem
Im Oktober 2011 fand der Gegenbesuch der Kölner Kinder in Bethlehem statt. Drei Lehrer und acht Mütter begleiteten die Kinder, unsere Kinder waren ja erst 5 bis 12 Jahre alt! Bis auf den Kleinsten waren alle in arabischen Gastfamilien untergebracht und erlebten eine Woche lang palästinensischen Alltag. Eine unvergessliche Woche, wie man aus den folgenden Eindrücken der Kinder spüren kann.

Reisebericht der 9-jährigen Inka (4. Klasse)
Bethlehem hat viele Eindrücke, tolle, traurige und lustige. Zum Beispiel der Basar in Bethlehem ist toll und fasziniert einen sofort. Und das Zusammenhalten ist auch toll. Doch es gibt kein Land, das nur tolle Eindrücke hat und schon gar nicht Bethlehem! Die Mauer, die Bethlehem umgibt, ist kein toller Eindruck! Die Mauer ist schrecklich anzusehen. Sie ist ganz grau und ist mit Plakaten überhangen. SCHRECKLICH sag ich nur! Die Israelis haben Bethlehem mit ihren hässlichen Siedlungen fast umzingelt! Es ist nur noch ein Berg frei. Wenn dieser Berg auch noch eingesiedelt ist, ist ganz Bethlehem eingesiedelt. Wir haben sogar den Bürgermeister, Gouverneur und Bischof getroffen.

Wir haben viele Ausflüge gemacht, besonders schön war es am Toten Meer. Es war total salzig. Ich hätte nie gedacht, dass man wirklich nicht untergeht! Ich dachte auch, dass die Wüste aus feinem Sand besteht. Tut sie aber gar nicht! Es ist eine reine Steinwüste! Zain und ihre Familie waren sehr nett zu uns und haben uns sogar noch extra Bettwäsche und ein neues Bett gekauft!!! Die Familie war sehr, sehr nett. Wer die Gastfreundschaft nicht schön findet, dem ist meiner Meinung nach nicht mehr zu helfen! Also, ich und meine Mutter haben bestimmt 20 kg zugenommen! Weil die Leute da so nett sind (nach meiner Meinung fast ein klein bisschen zu nett, die merken gar nicht, dass man eigentlich satt ist)!

Doch es war auch für mich fast ein bisschen zu fremd. Vor allen Dingen war ich sehr frustriert, als die Soldaten, die die Mauer bewachen, in den Bus kamen. Sie hatten riesige Maschinengewehre unter dem Arm und den Finger schon am Abzug! Ich fand es wirklich schade, dass die palästinensischen Kinder nicht mit uns nach Jerusalem konnten!

Wir wurden beim Rückflug in Tel Aviv so doll kontrolliert, sie haben sogar gefragt, ob wir Bücher dabei hätten und wenn ja, wie dick und wo sie herkommen.
Wir hatten sehr viel Spaß, haben viel gelacht und tolle arabische Lieder gesungen.
Ich hoffe, ich sehe meine palästinensische Freundin bald wieder und wir können wieder zusammen lachen!

Vielfältige Eindrücke - Auszüge aus weiteren Berichten
Die Familie, bei der ich gewohnt habe, war sehr nett zu mir. Mir zu Liebe haben sie oft Pizza oder Hamburger zu essen gemacht. Am PC von Julian haben wir die Google Übersetzung deutsch – arabisch genutzt. Und jetzt sind wir bei Facebook befreundet. (Leon, 12 Jahre)

Die Mauer war nicht so ein schöner Anblick. Sie war hoch und sah sehr gefährlich aus. Dann wollten Benjamin und ich ein Foto unter der Mauer hindurch machen. Dabei ist der Soldat gekommen und hat Benjamin die Kamera aus der Hand getreten. (Carl, 10 Jahre)

Was mich bedrückt hat: Die Israelis nehmen sich einfach mehr und mehr Land von den Palästinensern. Die Israelis haben wegen der Mauer viele Olivenbäume abgeholzt! Olivenbäume können 2000J. alt werden! (Mirco, 9 Jahre)

Am besten hat mir das Tote Meer gefallen. Da ist sehr viel dicker Schlamm, mit dem man sich einreiben kann, besonders auf Mückenstichen. Dann gehen alle Rötungen und Pickel weg, wenn man es abwäscht. Aber das Wasser hat einen Vor- und einen Nachteil. Der Nachteil ist: Das Wasser ist so salzig, dass es, wenn man es in die Augen bekommt, schrecklich brennt. Der Vorteil ist: Dort gibt es Salzkristalle, die man etwas weiter hinten findet. Mein Austauschfreund Mulham hat mit einer erstaunlichen Kraft Salzkristalle hoch geholt. (Caroline, 9 Jahre)

Dem Till hat das tote Meer nicht gefallen, weil er eine Verletzung hatte. Mir hat die Mauer nicht gefallen. Mir hat die Geburtskirche sehr gut gefallen. Ich und mein Bruder haben Geschenke bekommen von der Gastfamilie. (Till und Tim, 5 und 9 Jahre)

Am toten Meer hatten wir viel Spaß wir haben uns zum Beispiel auf dem Rücken treiben lassen, Salzkristalle gesammelt und uns mit Schlamm eingeschmiert. Selbst am Strand liefen 2 israelische Soldaten mit Gewehren herum …
Wir sind für gleiche Rechte für die Palästinenser. Yes we can raus. (Robert, 9 Jahre)

Jeden Morgen mussten wir um 6:00 Uhr aufstehen und um halb sieben kam der Bus. Die Schule hat um halb acht mit dem Morgengebet angefangen. In den Pausen haben wir Fußball gespielt, der Unterricht war aber auch lustig. (Benjamin, 9 Jahre)

Morgens haben wir uns in der Schule getroffen. Dann haben wir uns mit dem Bürgermeister und dem Gouverneur getroffen und ihnen Fragen gestellt. Ein palästinensisches Kind hat den Bürgermeister gefragt: „Wann, glauben Sie, werden wir jemals frei sein?“ (Antonia, 11 Jahre)

Diese Frage hat sich in die Herzen aller Teilnehmer tief eingebrannt.
Doch, wie antwortet man darauf?

Am 17.01.2012 um 18 Uhr gibt der Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln – Bethlehem einen Neujahrsempfang in der Melanchthon-Akademie, Kartäuserwall 24b, 50678 Köln, auf dem Lehrer/innen der Grundschschule Irisweg über die Schulpartnerschaft und den Austausch berichten werden.
Die Einladung kann hier heruntergeladen werden.

Weitere Informationen bei:

Gemeinschaftsgrundschule Irisweg 2
51143 Köln (Zündorf)
Schulleiter Martin Verführth
Fon: 0 22 03 / 1 01 73 90
Fax: 0 22 03 / 10 17 39 12
E-Mail: info@grundschule-irisweg.de
Internet: www.ggs-irisweg.de

Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft
Köln - Bethlehem e. V.
Gisela Kurczyk
Hans-Willy-Mertens-Str. 27
53842 Troisdorf
Telefon: 02241 / 40 84 71
E-Mail:bethlehem.geschaeftsfuehrung@gmx.de