„Von Tante Emma zu Onkel Ali“
Bonner StudentInnen untersuchen jüngste Stadtteilentwicklungen in Köln-Kalk
Unter dem Titel „Ethnische Ökonomien und Stadtentwicklung in Köln-Kalk“ untersuchten Geographie-StudentInnen der Rheinischen-Wilhelms-Universität Bonn im vergangenen Semester 2009/10 die jüngsten Entwicklungen in Köln-Kalk. Unter Leitung von Diplom-Geograph Markus Keck befragten die StudentInnen hierzu Experten der Stadtverwaltung, Vertreter lokal ansässiger Vereine, Kleinunternehmer und Passanten zu ihrer Meinung zum aktuellen Image des Viertels. Dabei gingen sie der Frage nach, ob Kalk in den vergangenen Jahren eine wahrnehmbare Aufwertung erfahren hat und wenn ja, welchen Anteil hierzu KalkerInnen mit Migrationshintergrund geleistet haben.
Heute sind die Straßen Kalks gesäumt von Gemüseläden, Internet-Cafes, Schnellrestaurants und Teehäusern, die von den verschiedenen Herkunftsländern und kulturellen Hintergründen der Kalker BürgerInnen zeugen. Diese „ethnischen Ökonomien“, also wirtschaftliche Unternehmungen von Personen mit Migrationshintergrund, gehören heute zum festen Bestandteil Köln Kalks. Markus Keck, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Geographische Entwicklungsforschung von Prof. Hans-Georg Bohle, umreißt sein Arbeitsgebiet folgendermaßen: „Im Allgemeinen beschäftigen wir uns mit aktuellen gesellschaftlichen Prozessen und Entwicklungsproblemen in außereuropäischen Gesellschaften. Dazu muss man heute nicht mehr unbedingt in ferne Länder reisen. Köln – wie alle Großstädte in Deutschland – ist heute von einer Multi-Kulti-Gesellschaft geprägt. Wir haben unseren Forschungsgegenstand heute also quasi direkt vor der Haustür.“
Viele der Kinder ehemaliger Gastarbeiter, die noch bis in die 1980er Jahre in den inzwischen weitestgehend verschwundenen Fabriken des einstigen Industrievororts Kalk tätig waren, haben sich heute selbstständig gemacht und ihre eigenen Geschäfte eröffnet. Damit beleben und bereichern sie die Atmosphäre des ‚Veedels’ und schaffen ausserdem neue Arbeitsplätze, darüber sind sich die Experten einig. Allerdings ist der Weg in die Selbstständigkeit nicht ohne Risiken. Viele der kleinen Familienunternehmen haben ihre Geschäfte in Seitenstraßen und können dem Wettbewerb durch die KalkArcaden direkt an der Kalk Post oft nur schwer standhalten. Zum Teil sind auch die Vorkenntnisse der Unternehmer stark begrenzt, was sich in einer hohen Zahl an Geschäftsfluktuationen widerspiegelt. Oft schuftet in den Geschäften die ganze Familie mit und schafft es kaum das Existenzminimum und die Marginalisierung zu überwinden. Diese Bereitschaft zur Selbstausbeutung und der Beitrag, den jeder Einzelne für Köln leistet, wird zudem oft übersehen, so die Befunde der StudentInnen.
Insgesamt bescheinigten die befragten Passanten, dass eine wahrnehmbare Aufwertung in Kalk in den letzten Jahren stattgefunden hat. Dies ist zum großen Teil auf öffentliche und privatwirtschaftliche Investitionen zurückzuführen, die im Rahmen des NRW-Förderprogramms „Soziale Stadt“ (www.soziale-stadt.nrw.de) unter Federführung von Herrn Günter Wevering und Dr. Marc Höhmann in Kalk getätigt wurden. Die Befragten gaben an, dass die unterschiedlichen Kulturen positiv zum Flair des Stadtteils beitrügen. Neben den Nachbarschaftsverhältnissen gaben die meisten die Einkaufsmöglichkeiten als wichtigsten positiven Aspekt des Viertels an. Nichtsdestotrotz bleibt noch viel zu tun. Als besonders negativ wurden die hohe Arbeitslosenquote und die Sicherheitslage insbesondere nachts genannt, was viele Teilnehmer der Befragung dazu veranlasste Kalk immer noch als „sozialen Brennpunkt“ einzuordnen. Interessant hierbei ist allerdings, dass die Bewohner Kalks ihren Stadtteil durchweg positiver einschätzten als die Befragten von außerhalb. Es ist dem Stadtteil zu wünschen, dass es seinen negativen Ruf schnellstmöglich überwinden kann. Vielleicht sollte der ein oder die andere Kölnerin einfach mal wieder einen Besuch wagen.
„Die KölnArcaden sind heute der Shopping-Magnet für Kölner – nicht nur aus Kalk. Wenn man es schafft diese Kundschaft auch auf die zahlreichen Angebote in den Nebenstraßen um die Arcaden herum aufmerksam zu machen, würden nicht nur die dortigen Kleinunternehmer profitieren, sondern letztlich das gesamte Viertel“, so Keck. Die Förderung der „ethnischen Ökonomien“ in Kalk war bislang im Rahmen der Förderung durch das Land nur marginal. Hier besteht noch Verbesserungsbedarf in Form eines Ausbaus sozialer und ökonomischer Netzwerke lokaler Kleinunternehmen. Aber auch städtebaulich wäre zu hoffen, dass die vielen Geschäfte in der Trimborn-, Taunus- und Kalk-Mülheimer-Straße noch stärker integriert werden.
Lara Jüssen





