Willkommen in Köln!
Migration ist kein neues Phänomen. Wanderung ist so alt wie die Menschheit. Ganz besonders davon berührt ist Köln, und das schon seit seiner Gründung. Schließlich wurde die Stadt ja von römischen "Ausländern" erbaut. Als Handelsmetropole mit Kontakten in alle Welt war Köln immer auch Ziel von Zuwanderern.
Köln ist von Migranten geprägt. Jahrhunderte lange gute Erfahrungen mit ihnen und ihren Nachfahren dürften mit ein Grund für die traditionelle Weltoffenheit in der kölschen Mentalität sein. Diese Toleranz drückt sich in Weisheiten wie "Jeder Jeck ist anders" und "Leeve und leeve losse" aus.
In der Gegenwart ist Migration zu einem Massenphänomen geworden. Das Statistische Bundesamt berechnete, dass 2007 etwa 681.000 Menschen nach Deutschland zogen (fast genauso viele verließen das Land, nämlich 637.000). Anfang der 1990er Jahre kamen noch mehr als doppelt so viele Menschen aus dem Ausland. Es sind hunderttausende Einzelschicksale, in deren Leben die Einwanderung nach Deutschland oft ein wichtiger Einschnitt ist.
Doch Migranten sind längst nicht bei jedem willkommen. Die Sorge vor "Überfremdung" wird geschürt. Rechte Parteien finden Zulauf - auch am Rhein. Abschottung und Zuzugsbeschränkungen erschweren es Ausländern, hier eine neue Heimat zu finden, wenn sie nicht gerade aus einem EU-Land stammen. Politik und Bürokratie übersehen gerne die menschlichen Auswirkungen dieser Regelungen.
Jedes zweite Kind, das im Schatten des Doms geboren wird, hat einen "Migrationshintergrund". Damit steht die Einwanderungsstadt Köln ganz besonderen Integrations-Herausvorderungen gegenüber.
... gelebt, gerauft, gesoffen, gesungen und Kinder gezeugt ...
Am 9. November 1992 fand das legendäre Konzert "Arsch huh - Zäng ussenander" gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus statt. Der unvergessene kölsche Schauspieler Willy Millowitsch (dessen Familie übrigens aus Düsseldorf stammt) zitierte dabei den Dramatiker Carl Zuckmayer :
"All diese alten verpanschten rheinischen Familien! Stell'n Se sich doch bloß mal ihre womögliche Ahnenreihe vor:
Da war ein römischer Feldherr, 'n schwarzer Kerl, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Dann kam 'n jüdischer Gewürzhändler in die Familie. Das war 'n ernster Mensch. Der ist schon vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. Dann kam 'n griechischer Arzt dazu, 'n keltischer Legionär, 'n Graubündner Landskecht, ein schwedischer Reiter... und ein französischer Schauspieler. Ein böhmischer Musikant!
Und das alles hat am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen, gesungen und Kinder gezeugt. Und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven, und der Gutenberg, und so weiter, und so weiter... Das war'n die Besten, mein Lieber." (aus: Des Teufels General)
Rund 322.000 Kölner, also ein Drittel der Gesamtbevölkerung, haben nach Angaben der Stadt Köln ausländische Wurzeln. Folgt man Willy Millowitsch, dann dürften es allerdings eine Million sein ...




