Im Veedel leben – Global handeln!

Die Schlüsselrolle der lokalen Entwicklungszusammenarbeit

Quelle: Schütz/Pixelio

„Think global – Act local“ war 1992 das Motto des Rio-Gipfels der Vereinten Nationen. Er verabschiedete die Agenda 21 und leitete damit weltweit einen langsamen, aber stetigen Prozess zur nachhaltigen Entwicklung ein. Der gegenwärtige Klimawandel und all die anderen dramatischen Krisen von der Ernährung bis zu den Weltfinanzen haben die Dringlichkeit dieses Prozesses nur noch deutlicher gemacht.

Seit 1992 hat sich aus der Forderung „Act local“ zusätzlich auch längst eine Praxis eines „Act global“ entwickelt. Lokale und kommunale Aktivitäten kommen aus überschaubaren und bürgernahen Strukturen und wirken in alle Welt hinein. Entwicklungszusammenarbeit (EZ) ist somit kein Monopol der Nationalstaaten und der supranationalen Organisationen. Sie findet in zunehmendem Maße auch auf der regionalen und der kommunalen Ebene statt. Wobei die kommunale Ebene nicht nur die jeweilige Stadt- oder Kreisverwaltung meint, sondern daneben alle an ihrem Standort verankerten Organisationen. Das sind fast überall viele Kirchengemeinden, aber auch freie Vereine mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten, Migrant/innen-Organisationen und - nicht zu vergessen - auch zahlreiche Schulen.

Die Eine Welt beginnt vor Ort

Für Köln heißt die Graswurzel-Devise „Im Veedel leben – Global handeln!“ Kommunale EZ kann nachhaltige Entwicklungsergebnisse auf vielen Ebenen erzielen. Oft sind es parallele Strukturen: Das städtische Jugendamt der Stadt berät die Kollegen der Partnerstadt Bethlehem, um Jugendhilfestrukturen aufzubauen. Die Kirchengemeinde im Veedel hilft einer Partnergemeinde im Süden der Welt. Der kleine Kinderrechts-Verein kooperiert mit dem Straßenkinderzentrum in einem Entwicklungsland. Und die Kinder und Jugendlichen einer Schule hier halten E-Mail-Freundschaften mit Schülern dort.

Wenn die Globalisierung gerecht gestaltet werden soll, kommt der lokalen Ebene eine Schlüsselrolle zu. Nachhaltiges Handeln ist nicht nur in fernen Ländern gefragt. Gerade bei uns fehlt es daran oft, wie es etwa unsere Energieverschwendung beweist. All die vielen politischen Beschlüsse anderer Ebenen werden lokal umgesetzt. Hier finden Fairer Handel und Faire öffentliche Beschaffung statt. Hier kann der Klimawandel etwa durch eine höhere Energieeffizienz gemildert werden. Hier leben die MigrantInnen und fordern ihr Recht auf Integration ein. Hier findet Bildung statt. Hier steigen die Menschen vom Auto auf verträglichere Verkehrsmittel um. Hier sitzen die vielen Unternehmen mit ihren Handelspartnern und Niederlassungen allüberall.

Von der Gegenseitigkeit profitieren alle

Eine der wichtigsten Wirkungen gut funktionierender kommunaler EZ ist, dass sie nur selten eine Einbahnstraße ist. Das meist freiwillige Engagement der Menschen, die hier tätig sind, wird durch die Kontakte und Begegnungen, durch Reisen und gegenseitige Einladungen gestärkt. Kulturprojekte bereichern unser Leben. Wir sehen unseren Lebensstil, unsere Stadt und unser Veedel durch die Augen unserer Partner – und zu hinterfragen. Durch den Blick über den Tellerrand lernen wir uns selbst auf einmal auch anders kennen. Fraglos ist dies Bildung im eigentlichen Sinne.

Aber eine Stadt wie Köln muss Kommunale EZ auch wollen. Das Engagement der BürgerInnen braucht Strukturen und Unterstützung. Der Rat der Stadt Köln hat hierzu auf einen Bürgerantrag Ende 2008 erste positive Beschlüsse gefasst. Ob den guten Absichtserklärungen nun auch entsprechenden Taten folgen werden, bleibt abzuwarten. Die Initiative "Cologne Watch" will die Aktivitäten der Stadt kritisch begleiten.